"Du sollst Gott, deinen Herren, lieben" - Gießener Anzeiger - 07.10.2009
Klangschönes Kantaten-Konzert zum Abschlusskonzert der Tage der Alten Musik in Licher Marienstiftskirche
LICH (elo). Werke von Bach, Telemann und Durante standen im Mittelpunkt des Kantaten-Konzerts, das in der Licher Marienstiftskirche zum Abschluss der Tage der Alten Musik gegeben wurde. Interessierten Besuchern bot sich am Wochenende in mehreren Veranstaltungen die Möglichkeit, in den Genuss Alter Musik zu kommen. Angefangen beim Jugendchor der Marienstiftskirche, der die Veranstaltungsreihe mit einem nächtlichen Konzert bei Kerzenschein eröffnete, erklang am Samstag französische Kammermusik des Barock, dargeboten vom Ensemble "Les Sons Choisis" (wir berichteten).
Einen weiteren musikalischen Ausschnitt barocker Musik beleuchtete das abschließende Kantaten-Konzert mit dem Vokalensemble "Camerata Vocale Hessen" und dem Barockensemble "Cappelle Instrumentalis" unter der Leitung von Kantor Christof Becker. Als Solisten traten auf: Simone Schwark (Sopran), Kira Petry (Alt), Ralf Petrausch (Tenor) und Daniel Starke (Bass).
Nach einer kurzen Begrüßung der Zuhörer lieferte Becker in einem erläuternden Einleitungsteil wesentliche Anhaltspunkte zu den nachfolgend Kantaten sowie deren Komponisten und gestattete dem Publikum so einen vorbereitenden Einblick in biografische, entstehungsgeschichtliche und musikalische Besonderheiten. Mit "Aus der Tiefen rufe ich, Herr, zu dir" (BWV 131) erklang zu Beginn die vielleicht früheste Bach-Kantate. Wie Becker im Vorfeld ausführte, bestehe die an das Reihenprinzip der Motette angelehnte Kantate nicht aus klar voneinander abgegrenzten, sondern vielmehr ineinander übergehenden Abschnitten. Dank dieser voraus gegangenen Erklärungen war zudem die fünfteilige Symmetrie der Kantate, bei der Anfang, Mittelteil und Schluss der Komposition, unterbrochen von zwei Soli, jeweils durch einen Chorsatz markiert wird, klar erkennbar. Zum Verständnis der Kantate des jungen Bach trug nicht zuletzt die Interpretation von Solisten, Chor und Instrumentalisten bei, die aneinandergereihte Motivik des Werks gelungen herausarbeiteten. Beeindruckend zeigte sich vor allem der Schlusschor, eingeleitet vom proklamativen, dreimal wiederholten "Israel", dann in die Schlussfuge "Und er wird Israel erlösen" mündend.
Ähnlich fünfteilig angelegt wie die voranstehende Bachkantate erwies sich auch das "Magnificat" von Francesco Durante. Bei der Wiedergabe lag der Schwerpunkt auf den dominierenden Chorsätzen, die gemäß den Worten "Er übet Gewalt mit seinem Arm" ebenso stimmgewaltig präsentiert wurden. Auf dem sogenannten Doppelgebot der Liebe basiert der Text der zweiten aufgeführten Bachkantate "Du sollst Gott, deinen Herren, lieben" (BWV 77), welches in der madrigalischen Dichtung kunstvoll verarbeitet wird. Um die Bedeutung des Liebesgebots bereits im Eingangschor hervorzuheben, integriert Bach den Choral "Dies sind die heilgen zehn Gebot" zum einen in die Oberstimme, zum anderen in die Basslage, so dass der allumfassende Charakter des Gebots herausgestellt wird. Der nach den Rezitativ-Arie-Paaren das Werk beendende Schlusschoral wirkt schlicht, lässt aber dennoch die Erfüllung der gestellten Bitte nach "Gnad´ und Kraft" ungewiss und spricht derart indirekt die Unvollkommenheit der menschlichen Liebe zu Gott und dem Nächsten an.
Den Abschluss bildete Georg Philipp Telemanns "Singet dem Herrn", das mit kurzen, aneinandergereihten Teilen und heiterem Charakter den Abend und damit auch die Tage der Alten Musik angemessen beendete.
Einen weiteren musikalischen Ausschnitt barocker Musik beleuchtete das abschließende Kantaten-Konzert mit dem Vokalensemble "Camerata Vocale Hessen" und dem Barockensemble "Cappelle Instrumentalis" unter der Leitung von Kantor Christof Becker. Als Solisten traten auf: Simone Schwark (Sopran), Kira Petry (Alt), Ralf Petrausch (Tenor) und Daniel Starke (Bass).
Nach einer kurzen Begrüßung der Zuhörer lieferte Becker in einem erläuternden Einleitungsteil wesentliche Anhaltspunkte zu den nachfolgend Kantaten sowie deren Komponisten und gestattete dem Publikum so einen vorbereitenden Einblick in biografische, entstehungsgeschichtliche und musikalische Besonderheiten. Mit "Aus der Tiefen rufe ich, Herr, zu dir" (BWV 131) erklang zu Beginn die vielleicht früheste Bach-Kantate. Wie Becker im Vorfeld ausführte, bestehe die an das Reihenprinzip der Motette angelehnte Kantate nicht aus klar voneinander abgegrenzten, sondern vielmehr ineinander übergehenden Abschnitten. Dank dieser voraus gegangenen Erklärungen war zudem die fünfteilige Symmetrie der Kantate, bei der Anfang, Mittelteil und Schluss der Komposition, unterbrochen von zwei Soli, jeweils durch einen Chorsatz markiert wird, klar erkennbar. Zum Verständnis der Kantate des jungen Bach trug nicht zuletzt die Interpretation von Solisten, Chor und Instrumentalisten bei, die aneinandergereihte Motivik des Werks gelungen herausarbeiteten. Beeindruckend zeigte sich vor allem der Schlusschor, eingeleitet vom proklamativen, dreimal wiederholten "Israel", dann in die Schlussfuge "Und er wird Israel erlösen" mündend.
Ähnlich fünfteilig angelegt wie die voranstehende Bachkantate erwies sich auch das "Magnificat" von Francesco Durante. Bei der Wiedergabe lag der Schwerpunkt auf den dominierenden Chorsätzen, die gemäß den Worten "Er übet Gewalt mit seinem Arm" ebenso stimmgewaltig präsentiert wurden. Auf dem sogenannten Doppelgebot der Liebe basiert der Text der zweiten aufgeführten Bachkantate "Du sollst Gott, deinen Herren, lieben" (BWV 77), welches in der madrigalischen Dichtung kunstvoll verarbeitet wird. Um die Bedeutung des Liebesgebots bereits im Eingangschor hervorzuheben, integriert Bach den Choral "Dies sind die heilgen zehn Gebot" zum einen in die Oberstimme, zum anderen in die Basslage, so dass der allumfassende Charakter des Gebots herausgestellt wird. Der nach den Rezitativ-Arie-Paaren das Werk beendende Schlusschoral wirkt schlicht, lässt aber dennoch die Erfüllung der gestellten Bitte nach "Gnad´ und Kraft" ungewiss und spricht derart indirekt die Unvollkommenheit der menschlichen Liebe zu Gott und dem Nächsten an.
Den Abschluss bildete Georg Philipp Telemanns "Singet dem Herrn", das mit kurzen, aneinandergereihten Teilen und heiterem Charakter den Abend und damit auch die Tage der Alten Musik angemessen beendete.




