Kirchenmusik quer durch die Epochen - Giessener Allgemeine - 20.5.2009


Lich (dap). Am Sonntag fand zum Abschluss des Historischen Marktes ein Konzert der »Camerata Vocale Hessen« in der Marienstiftskirche in Lich statt. Geboten wurde ein anderthalbstündiges geistliches Konzert mit Vokal- und Orgelwerken quer durch alle Epochen. Den Auftakt bildete der Choralsatz: »Wer nur den lieben Gott läßt walten« von Johann Sebastian Bach. Die zwölf Sängerinnen und Sänger hatten sich dazu im linken und rechten Kirchenschiff positioniert, so dass sie die Zuhörer umgaben. Ein gelungenes akustisches Spezial, in dem das Gefühl aufkam, in Musik eingebettet zu sein. Die folgende »Cantate Domino« von Heinrich Schütz mit ihrem gut umgesetzten springenden und wechselhaften Charakter wurde wieder vom Altar aus vorgetragen. Das »Capricio VIII« von Johann Jakob Frohberger, das Kantor Christof Becker auf dem Cembalo vortrug, durchbrach den bisher vokalen Konzertrahmen. Darauf folgten zwei Motetten von Leonhard Lechner und Andreas Hammerschmidt, bei dem der Kammerchor sein Können wieder beweisen konnten. Sehr schön detaillierte Phrasenarbeit, eine lebhafte Dynamik und ein schönes Zusammenspiel machen den vor rund fünf Jahren unter Leitung von Kantor Becker gegründeten Kammerchor aus. Die Sängerinnen und Sänger mit semiprofessionellem Niveau kommen zum großen Teil aus Lich und dem Umkreis von Gießen. Der Partita »Wer nur den lieben Gott läßt walten« von Georg Böhm auf der Orgel folgte die Motette »Lobet die Herren, alle Heiden« von Johann Sebastian Bach. Von selbigem erklang auf dem Cembalo danach die Toccata G-Dur BWV 916. Das oppulent und mächtig anmutende »Jauchzet dem Herrn alle Welt« von Felix Mendelssohn Bartholdy erfüllte die Marienstiftskirche. Die letzten drei Gesangswerke waren die Motette »Warum toben die Heiden« von Joseph Rheinberger, »Locus Iste« von Anton Bruckner und »Die Nacht ist kommen« von Max Reger. Von minutiös bis oppulent, von gegensätzlich chaotisch bis im Einklang verharrend: »Camerata Vocale Hessen« bewies, dass selbst schwierige Passagen mit einer scheinbaren Leichtigkeit vorgetragen werden können, die viel Arbeit und musikalische Qualität ausdrückt. Das Publikum honorierte das musikalische Vergnügen mit jeder Menge Beifall, woraufhin eine Zugabe gespielt wurde.