Ausdruckskraft voll Inbrunst und Intensität - Gießener Anzeiger - 06.04.2010

Passionskonzert der Camerata Vocale Hessen

(sue). Trotz des strahlenden Frühlingswetters lockte das Passionskonzert in der Marienstiftskirche in Lich auch am Karfreitag einige Besucher an. Auf dem Programm standen unter anderem Werke von Bach, Couperin und Schütz.

Den Auftakt bildete die Deutsche Passion nach Johannes von Joachim a Burck (1568), vorgetragen vom zehnköpfigen Chor der Camerata Vocale Hessen. Stimmungsvoll und andächtig begannen die Sänger mit klaren Stimmen an die Leiden Christi zu erinnern, wobei sich die wunderbar klaren Frauenstimmen von den zunächst etwas dünnen Männerstimmen deutlich abhoben. Hochkonzentriert und mit feiner Artikulation steigerten sich die Camerata im weiteren Verlauf zu einer Ausdruckskraft voll Inbrunst und Intensität. Unterbrochen von Johann Sebastians Bachs Präludium und Fuge f-Moll, ansprechend vorgetragen von Marienstiftskantor Christof Becker an der elektronischen Orgel, führte der Chor alle drei Sätze zu einem von feiner Intonation geprägten polyphonen Amen.

 

Die anschließende Interpretation von Francois Couperins "Lecons de ténèbres" erfolgte durch die Sopranistin Carola Fischer, die in wechselnder Besetzung begleitet wurde von Simon Ullmann am Barockcello und Becker am Cembalo. Die angenehme Stimme der Sängerin erzielte einen angemessen andächtigen und zurückhaltenden Klang, dem es dennoch nicht an Ausdruckskraft und Leidenschaft fehlte. Enthusiastisch und einfühlsam interpretierte sie die Klage des Propheten Jeremia und zeigte dabei lediglich bei komplexen Koloraturen Schwächen, im getragenen Tempo intonierte sie die chromatischen Verläufe gekonnt. Durch ihre klare Artikulation wurde ein Verstehen der Texte vor allem bei ihrem Vortrag dreier Lieder aus dem Gesangbuch des Georg Christian Schemelli vereinfacht.

Auch der zweite Einsatz des Chores wurde mit Instrumenten begleitet. Da bei Schützens Passionsmotetten aus "Cantiones sacrae 1625" nun auch die Männerstimmen deutlich stärker hervortraten, entstand ein sehr viel vollerer Gesamtklang, der mehr als einmal wunderschöne schwebende Klangflächen erzeugte. Im finalen "Kyrie, Christe, Kyrie", ebenfalls von Johann Sebastian Bach, gelang es dem Chor schließlich gemeinsam mit Fischer einen Raumklang von beeindruckender Intensität zu erzeugen, so dass die Klänge die gesamte Kirche zum Klingen zu bringen schienen.