Gestern, heute und morgen

Chronik


Vorgeschichte

Nein, bitte nicht! Die Erfindung und Entwicklung der Ventiltechnik war eine Zeitenwende  in der Geschichte der Blechblasinstrumente. Zwischen 1818 und 1840    entstanden die Blasinstrumente mit Dreh- oder Pumpventilen, wie wir sie heute benutzen. Mit der Dreierfolge des Zwei-, Ein- und Drei-Halbtonventils füllt nun der Trompeter in Halbtonschritten die Abstände zwischen den Naturtönen des Instrumentes (siehe: "Blasinstrumente",  dtv/Bärenreiter Verlag, Seite 276 ff.).
    
Eduard Kuhlo, aber noch eher sein Sohn Johannes Kuhlo (1856-1941) gelten als die "Erfinder" des evangelichen Posaunenchors mit den Wurzeln im westfälischen Pietismus. Heute vereint der EPiD - Evangeliche Posaunendienst in Deutschland - als Dachorganisation der vielen Posaunenverbände ca. 100.000 Bläser in ca. 7.000 Posaunenchören.  Johannes Kuhlo versorgte die immer zahlreicher werdenden Posaunenchöre dann auch  mit Noten - Posaunenbuch Teil I - IV, oder kurz Kuhlo I-IV.

In der 5. Auflage des "Posaunenbuch Teil III", J. Kuhlo, von 1926 beginnt das Vorwort so: "Wer erlöst uns von dem Motetten-Elend des 19. Jahrhunderts?"...  Kuhlo antwortet: "Das Volkslied im höheren Chor und das Volkslied im einfachen Chor!" Hierauf meint sein Gesprächspartner: "Du hast recht, den Choral so zu benennen, denn er übermag musikalisch alles, und das schlichte Volkslied kommt an musikalischem Wert ihm am nächsten; pflegen wir beides in erster Linie!"  Kuhlo fährt in seinem Vorwort fort: "Nicht wahr, so herrlich alle Musik der offenbar von Gott inspirierten Matthäus-Passion ist, den bewußten Höhepunkt bringt Johann Sebastian Bach mit dem Choral; der überragt eben alles.... "   Soviel als Schlaglicht auf das Meinungsbild zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

1924  -  Gründung des ev. Posaunenchor Lich

Als das oben zitierte Vorwort gedruckt wurde, feierte der Licher Posaunenchor  seinen 3. Geburtstag. Im Oktober 1924 gründete der Stiftsdechand Otto Lenz den ev. Posaunenchor Lich. Mitbegründer und die ersten Bläser waren daneben Karl Müller, Hans Ludwig Müller, Georg Koch,  Erich Koch, Otto Wahl, Ernst Lenz, Heinrich Wagner, Rudolf Jung, Emil Schupke und Fritz Köbel.  Im folgenden Jahr wuchs der Chor um Christian Roth, Walter Weigel und Heinrich Uhrhan.
Die Bläser zahlten 0,10 RM pro Monat und die Passiven 2 RM pro Jahr. Der Posaunenchor nannte sich jetzt "Ev. Jugendvereinigung Lich".

1925  -  Teilnahme am Missionsfest

Bereits neun Monate nach seiner Gründung trat der Chor am 7. Juni 1925 beim Missionsfest im Schlossgarten auf - verstärkt durch Bläser aus Langgöns. Wohl begeistert vom Gehörten, stellte seine Durchlaucht der Fürst nach dieser Veranstaltung dem Posaunenchor das Teehäuschen im Schlossgarten zwecks Abhaltung der allwöchendlichen Übungsstunden zur Verfügung.

1926  -  Posaunenfest in Lich

30.Mai 1926 - Posaunenfest - ein weiterer Höhepunkt in der jungen Geschichte des Posaunenchors. Intensive Vorbereitungen, besonders zur Bereitstellung von Quartieren für die auswärtigen Bäser, gingen diesem Tag voraus. Drei kupferne Kesselpauken für die Kirche in Lich wurden auf diesem Fest eingeweiht. Die Landeskirche, der Fürst zu Solm Hohensolms Lich und der Prälat i. R. und Geistlicher Rat  D. Walz, ein geborener Licher,  stifteten die Instrumente.
Ein stattlicher Festzug am Nachmittag führte unter reger Beteiligung der Licher zum Hardtberg. wo unter Linden weiter musiziert wurde. Das Posaunenfest klan mit feierlichen Märschen und Chorälen eindrucksvoll aus.

1927  -  Gründer und Dirigent Otto Lenz zieht weg aus Lich

Am  27.Jan. 1927 inventarisiert der Chor seinen Besitz. Neben 12 Instrumenten und 8 Notenständern werden u. a. aufgelistet: Kuhlo I  12 Stück, Kuhlo II 12 Stück, Kuhlo III 11 Stück (siehe oben).

Der Dirigent Otto Lenz zieht aus Lich weg und die Bläser H. Uhrhan, H. Schäfer oder H.L. Müller übernehmen die Chorleitung.

1935  -  Letzte Generalversammlung vor dem 2. Weltkrieg.

Der Schriftführer protokolliert: "Im Jahre 1935 wurden per Gesetz alle Jugendgruppen und Jugendverbände aufgelöst und in die Hitlerjugend integriert. Wer nicht mitmachen wollte verstummte."

1945  -  Der Posaunenchor lebt wieder auf

"Ach, bleib mit Deiner Gnade bei uns Herr Jesu Christ" war der erste Choral, den Der Posaunenchor nach Kriegsende an Weihnachten 1945 in der Marienstiftskirche vortrug.

1947  -  Hans Ludwig Müller wird Dirigent

     
 
 
Hans Ludwig Müller übernimmt  1947 die Leitung des
      Posaunenchor Lich als Dirigent.  Dieses Amt wird er 
      bis 1988 41 Jahr lang  ausüben.
 




1967 und 1970  -  Landesposaunentage in Lich

Landesposaunentage - Lich voll im Bann der Bläser aus dem gesamten Landesverband. Organisatorische Höchstleistungen mit Bühne, Sitzgelegenheiten für die Zuhörer und sonstige Infrastruktur gehen den Veranstaltungen  in Schlosspark voraus. Unter der Leitung der Landesposaunenwarte werden diese Tage zu weiteren Höhepunkten für die ev. Kirchengemeinde und den Posaunenchor Lich.

Im Jahr 1970 findet die erste Herbst-Konzertreise statt. Diese einwöchige Reise mit mehreren Konzerten beabsichtigt Diasporagemeinden mit der Posaunenmusik zu unterstützen. Im Anschluss an diese Reise  gibt der Posaunenchor  jedes Jahr am ersten Samstag nach dem Reformationstag sein Herbstkonzert in der Marienstiftskirche.

1988  -  Richard Laubach wird Dirigent

Richard Laubach übernimmt die musikalische Leitung von H. L. Müller, der aus Altersgründen seine Dirigentenamt nach 41 Jahren beendet.

Heinz Pastau als Obmann, Herrman Freund als Schriftführer und K. L. Brückmann als Kassenwart stehen dem Chor und seinem Förderkreis vor.

2002  -  Bläserausbildung

Die Altersstruktur des Chors läßt erkennen, dass ohne gezielte Nachwuchs- und Jungbläserausbildung und deren Eingliederung in wenigen Jahren eine Überalterung des Chores droht. Wolfgang Häuser  für Trompete und Thomas Brumhard für die tiefen Instrumente bilden nun den Nachwuchs aus.

2003  -  Hermann Freund wird Obmann

2004  -  80 Jahre ev. Posaunenchor Lich


 
Aufnahme des Posaunenchors aus 2007

 1924 gegründet (siehe oben), feiert der ev. Posaunenchor  Lich 2004  sein 80-jähriges Bestehen. Ein Serenadenkonzert zu diesem Jübiläum soll an die Tradition der Serenaden, die ehemals bei festlicher Beleuchtung im Schlosspark statt fanden, anknüpfen. Seither erklingt jährlich am Pfingstsamstag ein Konzert an - oder bei schlechtem Wetter - in der Marienstiftskirche.

Jan. 2011 -  Heinz Pastau ist verstorben






 

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